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Messbarer Augenblick: Eyetracking

Was liest der Leser Ihrer Zeitung wirklich? Blickverlaufsmessung oder Eyetracking nennt sich die Methode, mit der man mittels Augenkamera messen kann, wohin der Blick des Betrachters fällt.

Mit einer Spezialkamera werden die Augenbewegungen verfolgt und gemessen.

Bereits seit dem 19. Jahrhundert versucht man, über die Augenbewegungen das Leseverhalten zu studieren. Neben der Medizin und der Psychologie arbeitet  auch die Marktforschung seit vielen Jahren damit. Für Medien ist es eine sinnvolle Methode, um zu erkennen, was dem Leser ins Auge sticht. Zum Beispiel, ob er dem Zeitungslayout folgen kann oder ob sich sein Blick auf der Seite verliert.

Leserführung und Lesbarkeit

Schlägt ein Leser eine Zeitung auf, unterscheidet er binnen Zehntelsekunden in Überschriften, Bilder, Spalten, Schriften und Farben. Dabei wandert das Auge von großen, auffälligen Elementen wie Bildern und Headlines zu kleineren Elementen. Größe und Platzierung sind wichtiger als zum Beispiel Farbe. Im Idealfall wird der Leser durch die Seite geführt. Ein gut gestaltetes Layout dient somit der Lesbarkeit und der Leserführung. Dazu gehört das gezielte Einsetzen von Einstiegspunkten in einen Artikel wie große Bilder, fette Überschriften und Vorspänne, aber auch gut aufeinander abgestimmte vertikale und horizontale Lesewege. Bei großformatigen Zeitungen wird meist die Mitte gelesen, der Rand ist „tote Zone“.

Zu oft unterschätzt: die Bildunterschrift

Es lässt sich mit Eyetracking immer wieder bestätigen, wie wichtig Vorspann, Zitate und vor allem Bildunterschriften als „Entry Points“ für den Hauptartikel sind. Nach dem „Aufmacherbild“ und der fetten Headline werden sie am meisten wahrgenommen. Lockern Sie daher Ihre Texte immer mit Vorspännen, Zwischentiteln und Bildern auf. Geben Sie jedem Bild eine aussagekräftige Bildunterschrift, so können Sie den Leser in den Text hineinziehen. Vermeiden Sie unbedingt Textwüsten – diese Seiten werden nicht gelesen und sind verschenkte Liebesmüh‘.

Der Leser liebt relevante Themen

Die Relevanz des Themas ist und bleibt der beste „Eyecatcher“.  Was aus dem Lebensbereich des Lesers kommt, interessiert ihn und wird gelesen. Wählen Sie für Ihre Zeitung daher immer Themen, die für Ihre Leser von Relevanz sind. Als Auswahlkriterium können Sie sich die drei „N“ zur Hilfe nehmen: News, Nähe, Nutzen.

 

Weiterführende Links:

Testzeitung von Norbert Küpper, erfolgreicher Zeitungsgestalter:
http://editorial-design.com/leseforschung

Interview mit dem ReaderScan-Erfinder Carlo Imboden in „Der österreichische Journalist“. Der ReaderScan ist neben dem Eyetracking eine weitere Methode, wie das Leseverhalten gemessen werden kann. Hier bedient man sich eines Scanners in Stiftform anstatt einer Augenkamera.
http://www.journalist.at/archiv/2008/12_01/der-leser-ist-extrem-brutal

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