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Ohne Gestaltung läuft wenig

Gestaltungsexperte Clemens Barmettler verrät seine Tricks. Copyright: Clemens Barmettler

Die Gestaltung eines Printmediums spielt für den Leser eine entscheidende Rolle. Ist die Aufmachung noch zeitgemäß oder wirkt sie verstaubt und abweisend? Auch Zeitungen und Zeitschriften können wie die großen Trendsetter Werbung und Fernsehen den Zeitgeschmack des Zielpublikums nicht ignorieren.

Leser sind täglich einer riesigen Informationsflut durch Internet, Radio, Fernsehen und Printmedien ausgesetzt und sind daher sehr stark visuell geprägt. Die eigene Kundenzeitung muss bestimmte Grundregeln und Zielvorstellungen einhalten, um nicht in der Masse unterzugehen. JAGER PR hat bei dem renommierten Schweizer Zeitungs-Designer Clemens Barmettler nachgefragt und die aktuellen Trends in Sachen optimaler Zeitungsgestaltung aufgespürt.

 

 

 

Herr Barmettler, was bedeutet der Begriff Layout für Sie?

„Der Begriff Layout bedeutet für mich ,Ordnung schaffen‘ und ,Informationen verkaufen‘. Die Aufmachung eines Printmediums ist ausschlaggebend für die Akzeptanz des Inhaltes durch den Leser. Der Leser wird täglich von allen Seiten mit Informationen regelrecht überflutet, deshalb ist es ganz wichtig, dass die Zeitung ein ,geordnetes Layout‘ hat. Der Leser soll sich nicht in einem Wirrwarr aus Informationen selbst zurechtfinden müssen. Ordnung bedeutet: klare Strukturen, wichtige Informationen groß gestalten, unwichtige klein. Durch Schwerpunkte bringt man viel mehr Spannung in das Layout. Eine Zeitung ist dazu da, um Informationen zu verkaufen. Deshalb müssen sie dem Leser auch schmackhaft angeboten werden, um sein Interesse zu wecken.“

Was sind die aktuellen Trends im Bereich Konzept und Gestaltung einer Zeitung?

„Das Informationsangebot wächst derzeit stärker als die Informationsnachfrage. Außerdem hat sich die Nutzung des Informationsangebotes geändert. Die Anzahl der Zapper und Quereinsteiger nimmt zu. Im TV wird von einem Programm zum nächsten gezappt, Zeitungen werden überflogen, um die wichtigsten Informationen herauszufiltern. In Sekundenschnelle wird darüber entschieden, ob ein Inhalt für den Leser interessant ist oder nicht. Die Gestaltung einer Zeitung muss sich dieser Entwicklung und dieser Schnelligkeit anpassen. Übersichtliche und aufgeräumte Seiten erleichtern dem Leser die Selektion wichtiger Informationen.“

Was sind die wichtigsten Prinzipien beim Gestalten einer Zeitung?

„Es geht darum, die Leser zum Lesen zu animieren und sie dann durchs ganze Produkt zu führen. Die bequeme Lesbarkeit hat absoluten Vorrang. Neuartige verschnörkelte Schriften mögen zwar interessant aussehen, im ganzen Text eingesetzt wirken sie jedoch unprofessionell und sind schwer lesbar. Das Lesen wird als zu anstrengend empfunden, die Folge: Der Leser steigt aus und schlägt die Zeitung zu. Der richtige Einsatz von Schriftart und Schriftgröße, der logische Aufbau der Seiten und kurze, präzise Überschriften sind daher von enormer Bedeutung. Große Textmengen sollen portioniert dargeboten werden: Teilen Sie die Texte in Boxen auf, visualisieren Sie Zahlen in Tabellen, fügen Sie Zwischentitel ein und schaffen Sie genügend Raum für Textelemente. Keine Angst vor zu viel Weißraum! Wichtig ist es auch, zeitgemäß zu bleiben und auf den aktuellen Geschmack des Zielpublikums einzugehen. Der derzeitige Trend sagt: Viel Weißraum und eher gepflegt und elegant als zu laut und kitschig bunt.“

Welche Tipps haben Sie für den Einsatz von Bildern?

„Es gilt: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Das Sehen wird statt des Lesens immer mehr zur Grundlage der Überzeugung. Auffällige und überraschende Bilder lockern die Zeitung auf und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Illustrationen sind längst nicht mehr nur Zugaben zum Text. Knappe Bildausschnitte erhöhen die Bildwirkung, also ran ans Motiv. Die Nahaufnahme des angestrengten Gesichtes eines Leistungssportlers ist äußerst wirkungsvoll und weckt Emotionen. Der Mensch im Mittelpunkt macht ein Bild lebendig. Mein Tipp: Setzen Sie weniger Bilder ein, dafür bringen Sie die aussagestärkeren Sujets aber um einiges größer. Die Frage nach dem idealen Bild muss heute am Anfang und nicht erst am Ende der Überlegungen stehen.“

Zur Person:

Der Schweizer Clemens Barmettler ist ein gelernter Typograf, der sich anschließend zum Zeitschriftengestalter (Editorial Design) weiterbildete. Barmettler war unter anderem 15 Jahre Chef-Layouter der „Schweizer Illustrierten” in Zürich. Von 1981 bis 1993 betrieb der renommierte Zeitungs-Designer ein grafisches Atelier in Zürich. Mittlerweile arbeitet er in Piazzogna am Lago Maggiore. Seit 1982 hat er mehr als 75 Tages- und Wochenzeitungen sowie über 90 Magazine neu konzipiert oder umgestaltet.

Tipps:

  1. Typographie: Machen Sie die Texte bequem lesbar, der Leser will sich nicht anstrengen müssen.
  2. Illustration: Setzen Sie große emotionale Bilder ein, die thematisch zum Titel passen.
  3. Layout: Schaffen Sie Ordnung und genügend Weißräume und setzen Sie Farbe ein, um Kontrast zu schaffen.